Scheitern tut weh...

Scheiden tut weh. Scheitern auch! "Was Dich nicht umbringt macht Dich stark", so der Volksmund. Jaja! Der Volksmund. Immer einen tollen Spruch auf den Lippen, aber alles nur leere Worthülsen. In meinen 33 Jahren Bühnentätigkeit habe ich schon sehr oft erlebt, dass man etwas plant, was dann aber nie auf die Bühne kommt. Das war immer sehr schade, aber schliesslich nicht so schlimm, denn man investierte nicht enorm viel Zeit in das Projekt um festzustellen, dass es nicht rentabel wird. Beim Kòpfladäärnli 2019 war das anders. Ich glaubte derart an dieses "Produkt", dass ich bereit war jede noch so grosse Hürde zu überspringen. Ich investierte ein komplettes Jahr - intensives Jahr - in die Vorbereitungen. Sponsorensuche, Texte schreiben, Komponieren, organisieren und, und, und. Und? Es fand eine grossartige Produktion statt. 80% Auslastung! 3100 Gäste! Stehende Ovationen! Begeisterung! Dem gegenüber stand die Buchhaltung, die leider weniger begeistert war. Was war geschehen? Mein Optimismus und mein Herzblut für die Sache haben mich geblendet. Die Aufwände waren sehr gross, galt es doch aus einem nicht fürs Theater gebauten Raum ein Theatersaal zu machen. Da muss alles hergeschafft werden. OK, das wusste ich. Das war kalkulierbar. Leider gab es in den Wochen vor der Premiere einige "Überraschungen", die ich - damit tröste ich mich - nicht einplanen konnte. Probleme mit dem Toilettencontainer und noch ein paar andere kostspielige Dinge. Das hat leider dazu geführt, dass die Einnahmen nicht reichten und hat ein Loch in mein Portemonaie gerissen.

 

Nun stehe ich vor dem Scherbenhaufen und bin traurig und glücklich zugleich. Glücklich, dass ich mit dem Kòpfladäärnli die wohl spannendste und aufregendste Produktion erleben durfte, die ich je durchführte. Die Mitwirkenden, das Ensemble, die Helfer und das Team wuchsen innert Tagen zu einer grossen Familie zusammen. Das hatte ich bisher so noch nie erlebt. Traurig bin ich darüber, dass ich scheiterte. Das Produkt stimmte, aber die Kalkulation war mies. Ich hätte vielleicht schon früher in der Planung merken müssen, dass es knapp wird. Aber ich war besessen. Besessen davon, dass wer an etwas glaubt belohnt wird. Schon wieder dieser Volksmund! Jedoch hier stimme ich ihm zu 100% zu! Ich wurde belohnt; mit einmaligen Erlebnissen, tollen Begegnungen.

 

"Alles kommt gut", sagt der Volksmund. Nun denn... ich hoffe er hat in diesem Falle Recht.

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