Velo-Rowdy's

In einem Kabarett-Chanson schrieb ich mal:

 

Mir halte bi Grien - und faahre bi Rot

Will s Faahre bi Rot viel eifacher gooht

 

Das ist nun über 20 Jahre her, dass ich dies schrieb. Schon damals waren diese Velo-Rowdys ein grosses Thema. Schon damals hielten sich viele einfach aus Prinzip nicht an Vorschriften. Schon damals wusste keiner, wie man das in den Griff bekommen will. Noch heute ärgere ich mich täglich mehrere Male über Fahrradfahrer, die genau das Gegenteil dessen tun, was man von ihnen verlangt. Dabei fällt mir auf, dass man den typischen Velo-Rowdy nicht charaktisieren kann. Es sind nicht nur junge Menschen. Es sind nicht nur die Agressiven, die Streit suchen. Es sind nicht nur die Velokuriere. Es sind oft auch Menschen, würde ich diese ohne Fahrrad antreffen, denen ich sowas wie Gesetzestreue unterstellen würde.

 

Wie kommt es also, dass ältere, süsse Damen mit ihrem Fahrrad - so als wäre es das Normalste der Welt - im Velofahrverbot radeln? Wie kann es sein, dass man kein ungutes Gefühl entwickelt, wenn man gegen die Spur auf dem Trotteoire Fahrrad fährt? Warum kommt man als "Pedaler" nicht auf die Idee, dass man Fussgänger behindert, wenn man am Nachmittag bei hochfrequentiertem "Rheinsprung" in Basel diesen im Höchsttempo runter brescht? Ehrlich? Ich habe keine Ahnung!

 

Ist das Velo-Rowdy-Tum sowas wie eine Lebenseinstellung? So, wie wenn ich mich entschliesse kein Fleisch zu essen? "Vertragen" Velo-Rowdys vielleicht keine Verbote und reagieren mit Hautausschlag darauf? Sind sie vielleicht eine Sekte, oder sowas wie eine Zunft - wenn es da überhaupt einen Unterschied gibt? Oder ist es eine Sucht, Velo-Rowdy zu sein? Gibt es den Falschfahrern einen Kick, wenn sich vor ihnen die Fussgänger in Sicherheit flüchten müssen. Also wenn es eine Krankheit ist, sich nicht an Gesetze halten zu können, dann wäre es aber höchste Zeit, dass man Therapien dagegen entwickelt. Vielleicht sowas wie die "Gassenzimmer". Orte, wo sich die bekennenden Rowdy's treffen und unter Aufsicht und optimal gossiert die Verkehrsregeln brechen können. Vielleicht könnte NOVARTIS ein Medikament dagegen entwickeln? Oder gibt es vielleicht schon Präparate, die Velo-Rowdy's aus dem Verkehr ziehen? Rattengift vielleicht...

 

Ich weiss nur, dass die "normalen" Fahrradfahrer, die Fussgänger und alle anderen Verkehrsteilnehmer (die sich an die Vorschriften halten), unter diesen Rowdys leiden. Vor Schulbeginn nach den Sommerferien wurden Plakate in der Stadt aufgestellt. Diese sollten vor Kindern warnen, die sich im Strassenverkehr vielleicht nicht immer vorhersehbar verhalten. "Rechnen sie mit allem!" hiess es auf diesen Aufstellern. Die Kinder im Strassenverkehr sind aber überhaupt nicht das Problem. Lustig. Es scheint tatsächlich so, als ob der Gesetzgeber sich bereits mit den Velo-Rowdys und deren Fahrverhalten abgefunden hat. Ofenbar scheint man bereits resigniert zu haben. Keine Hoffnung auf eine Lösung. Dabei wäre es doch einfach, oder?

 

Hohe Bussen würden sicherlich was bringen. Wenn ich als Velofahrer so viel zahle, wie ein Automobilist, der sich durch die Fussgänger im Fahrverbot drängelt, dann würde ich vielleicht eher mal absteigen und schieben. Vielleicht wäre Fahrzeugentzug auch eine Massnahme. Wenn mein teures E-Bike mal einfach so von der Polizei für drei Monate eingezogen wird, tut das sicherlich auch "weh". Oder Fahrzeug-Entsorgung: Den unbelehrbaren Velo-Rowdys könnte man die Fahrräder an Ort und Stelle mit einer Müllpresse zu einem kleinen und handlichen Aluminium-Kubus verarbeiten. Diesen dürfen sie danach nach Hause nehmen und auf dem Sideboard aufstellen.

 

Keine Ahnung welche Massnahmen helfen und die Situation in einer Stadt verbessern. Sicherlich braucht es da neue und unkonventionelle Ideen. Noch mehr E-Trottis können da keine Entlastung bringen, im Gegenteil. Diese führten meiner Meinung nach eher dazu, dass immer mehr Fahrradfahrer an Orten fahren, die nicht für sie gedacht sind. "Die Trottis dürfen ja auch überall - warum ich dann nicht!" sagte mir mal einer, den ich auf sein Fehlverhalten hingewiesen habe. Und irgendwie hatte der ja noch Recht...

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