Wie geht Journalismus eigentlich?

Ich wurde schon oft kritisiert, weil ich mich gegen unwahre, unfaire oder schlicht beleidigende Presseartikel beschwert habe. Dabei ging es oft um Theaterproduktionen, die ich organisierte. Für mich die einfachste Art des Journalismus. Eine Produktion betrachten und dann das schreiben, was man gesehen, gehört und erlebt hat. Völlig easy, oder?

 

Leider bekommen  viele Journalisten nicht mal dies auf die Reihe. Immer wieder werden Dinge geschrieben, die so gar nie stattgefunden haben. Schreiber verfallen dann ungebremst ins Land der Fantasie und bekommen regelrechte Schreibanfälle wenn es um "alternative Wahrheiten" (danke Herr Trump für diesen Ausdruck) geht.

 

Was soll das bitteschön? Obschon ich mich seit mehreren Jahren gegen diesen schlechten Stil wehre - und dies oft alleine und "belächelt" - merken es langsam auch noch andere. Ich erlebe den Journalismus aus der Sicht des Lesers, also des Kunden und erlaube mir deshalb auch hier meine "Kundenmeinung" zu veröffentlichen.

 

Wenn ich zum Metzger gehe will ich auch nicht, dass er mir ein Stück Fleisch mit den Worten "Das isch e Rindsplätzli" in die Hand drückt um zu Hause zu bemerken, dass es sich um Schweinefleisch handelt. So geht es mir oft bei der Basler Zeitung.  Die verkaufen mir "Themen" als "brissant", die sich dann bei näherer Betrachtung einfach als Platzfüller herausstellen. Wie der Metzger. Der macht das bei mir vielleicht ein-oder zweimal und dann will ich nichts mehr von dem wissen. Begreifen das die Journis tatsächlich nicht?

 

Dass ein grösseres Unternehmen seinen Geschäftssitz von Basel aufs Land verlegt, liegt nicht wie in der Zeitung behauptet an den fehlenden Geschäftsparkplätzen. Da wurde einfach einen Grund gefunden, mal wieder die Basler Verkehrspolitik in den Schmutz zu ziehen. Das Unternehmen hatte nie nach mehr Plätzen gefragt. Mir dies aber so zu "verkaufen" ist eine Mogelpackung. Verarsche. "Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht!" Jedes Kind kennt dieses Sprichwort - offenbar die BaZ Journalisten nicht.

 

Da gab es auch schon mal die erfundene brissante Geschichte eines bröckelnden Kirchturms. OK, Sandsteinkirchen leiden oft meist unter dieser "Krankheit". Nichts Neues. Die betreffende Kirche hatte auch vor mehreren Jahren darüber berichtet und seit dem sind Auffangnetze angebracht und regelmässige Kontrollen sollen verhindern, dass kleinere oder grössere Sandsteinchen aufs Trotteoire fallen. Seit Jahren ist das so. Seit Jahren kein Medienthema. Seit Jahren keinen Stein, der herunter gedonnert wäre. Seit Jahren. Dann veranstalte ich in dieser Kirche ein risikoreiches Projekt, bei dem man auf jeden der kommt angewiesen ist. Und was geschieht ein paar Tage vor der Premiere? Die BZ erscheint mit einem reisserischen Titel: "Vorsicht - in der Elisabethenkirche droht Einsturtzgefahr!" LINK ZUM ARTIKEL

 

Können Sie sich vorstellen, wie es einem geht, wenn man kurz vor einer wichtigen Produktion steht und solche Zeitungsmeldungen erscheinen? Können Sie sich auch vorstellen, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass dies nicht ein bewusster Versuch ist, jemandem schaden zu wollen? Können Sie sich vorstellen, wie oft ich danach erklären musste, dass es sich bei diesem Bericht nur um ein "Sommerloch"-Füller im Winter handelt?

 

Ist das tatsächlich noch Journalismus? Liege ich so daneben, wenn ich bisher glaubte, dass Zeitungen nicht den Auftrag haben Geschichten zu erfinden? Wie schlimm steht es um diesen Beruf wirklich, wenn -um Zeitungen verkaufen zu können- derart in die Trickkiste gegriffen werden muss?

 

Und was mich bis heute noch am meisten ärgert. Wenn man sich gegen solche Berichte wehrt, tun fast alle so, als sei man ein Verräter. "Die Meinung eines Journis ist unantastbar", sagte mir mal ein Journi. "Hö? Glaubst Du diesen Quatsch, den Du da verbreitest?" Tatsächlich sitzen auf diesen Redaktionen noch immer "Altlasten" von Schreibern, die tatsächlich glauben, sie hätten immer Recht und auch wenn sie nachweislich totalen Mist vom Stapel lassen, stünden sie über allen und dürfen in keinem Falle "angegriffen" werden.

 

Was ist den das für eine Haltung? Gehts noch grossgekotzter? Lebt ihr in einem Bunker und abgeschottet von der realen Welt, dass ihr tatsächlich einen derartigen Scheiss glaubt?

 

Ich kann nur hoffen und das wünsche ich mir vor allem für die vielen jungen Menschen, die in der Zukunft als Journalisten arbeiten wollen, dass irgendwann sowas wie "Berufsstolz", "Ehre" oder gar "Freude am Beruf" bei Journalisten wieder zur Normalität gehören.

 

Aber ich bin froh! Endlich merken es auch noch andere, dass da was total in Schieflage geraten ist!

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