Scheuklappen-Gesellschaft

Welterwärmung. Die Gletscher schmelzen. Der Amazonas brennt. Konflikte. Demonstrationen. Kriege.

 

Zu alle dem kommen dann auch noch die kleinen, aber persönlichen Probleme der einen tagtäglich beschäftigen. Oft habe ich gar ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich ab meinen "Baustellen" aufrege, wenn doch die Welt die viel dramatischeren Probleme hat.

 

Trotzdem fällt es mir - und ich bin da nicht ein Einzelfall - schwer, unbeschwert durch den tag zu schlendern. Mich beschäftigen meine Probleme genau so, wie die Probleme auf dieser Welt. Vor allem dann, wenn es um ein normales Weiterleben geht. Wäre ich so wie viele und nur mit mir beschäftigt, dann könnte ich mich getrost um mich kümmern und alles wäre gut. Tatsächlich bedrückt mich die Weltenlage sehr.

 

Als ein Teil dieser Welt darf es mir doch nicht egal sein, wenn diese kränkelt. Es darf mir nicht egal sein, wenn irgendwo zwei Geisteskranke die Säbel wetzen und die Weltordnung ins Wanken gerät. Es kann mir doch nicht einfach wurst sein, wenn es um die Wurst geht.

 

Schön, wenn man unbedrückt durch den Tag trottet. "Ich kann ja eh nichts daran ändern!" Vielleicht? "Das kommt, wie es kommen muss!" Ja klar. Das beruhigt mich aber nicht unbedingt.

Ich staune immer wieder, dass es Menschen gibt die täglich die Scheuklappen montieren und losgaloppieren. Fokusiert auf das, was ihnen (noch) wichtig ist: sich selber! Vielleicht ist genau das ja das Problem unserer Welt. EGOISMUS. Jeder kümmert sich nur um sich und seine Bedürfnisse. Egal, ob ich meinem Nachbarn damit schade. Es geht ja um mich, soll der doch selber schauen. Die Optimierung seiner eigenen Situation. Sei es die Finanzielle oder die Lebenssituation. Ich bin mir am wichtigsten. Klar, dass da jemand auf der Strecke bleiben muss. Ein Schneeballsystem. Während sich die einen optimieren, bleiben andere auf der Strecke.

 

Klar. Das geht schon sehr lange so. Ich weiss. Trotzdem handelt es sich hierbei nicht um eine "Tradition", an der nicht gerüttelt werden darf, oder? Dass ich auch ein Teil derer bin, die zu oft die eigenen Probleme über die Globalen stellen, empfinde ich sowas wie ein "schlechtes Gewissen". Ja. Es geht mir nicht gut, nur weil ich das Privileg habe in einer (noch) guten Welt zu leben. Es geht mir nicht gut, wenn ich sehe was alles schief geht, was alles dagegen unternommen wird und dass sich dennoch nichts ändert.

 

Auch ich habe - wie alle anderen auch - keine Lösung. Es wird uns nur immer vorgegaukelt, dass man Lösungen habe und die nun zur Umsetzung bringen wolle. Bla-Bla-Bla. Das dient nur dazu uns zu beruhigen, so dass wir weiterhin funktionieren. Für die Wirtschaft, für die Gesellschaft und für uns. Wir wären ja schön blöd, wenn wir unsere heile Welt freiwillig aufs Spiel setzen würden...

 

Darum: Scheuklappen auf und ein paar Runden drehen im Hamsterrad!

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